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China-Austausch des Kepler-Gymnasium Freiburg 2007

geschrieben von  Mario
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Über 30 Schülerinnen und Schüler (Jahrgänge 1988-93), sowie vier Lehrer traten Ende Oktober 2007 die zweiwöchige Reise gen Osten an. Es war für die Meisten von uns das bisher eindrücklichste Abenteuer.

 

Schon kurz nach der Landung in Shanghai kamen wir uns vor wie die Größten. Wie Außerirdische oder Stars wurden wir behandelt: Als hätten die Chinesen noch nie Europäer gesehen, so wurden wir überall angegafft, fotografiert (!) oder einfach so angesprochen. Doch auch wir kamen sehr bald ins Staunen. Eine der ersten Aufregungen war die Fahrt mit dem Transrapid durch die 15-Millionen-Stadt. Mit über 430 km/h rasten wir an ärmsten Slums und modernen, aber meist hässlich-grauen Finanztowern und anderen Gebäudekomplexen vorbei.

Allerdings sollte dieses komfortable Bewegungsmittel eine Ausnahme sein und bleiben. Nach dieser ersten Sightseeing-Tour, die einen regelrechten Kulturschock hervorrief, ging es gefühlte fünf Stunden mit einem Bus, der kurz vor der Ausschlachtung zu stehen schien, auf einer nicht enden wollenden Straße nach Hangzhou (ein „Vorort“ von Shanghai).

Spät am Abend kamen wir mit reichlich Verspätung an unserer Partnerschule an, wo die Gastfamilien bereits auf uns warteten.

Es war schon ein komisches und verlorenes Gefühl: kaum in China angekommen und total ermüdet von der Anreise, fährt man nachts mit einer völlig fremden Familie alleine irgendwo durch die Straßen einer Millionenstadt und möchte eigentlich nur noch ins Bett.

Nach diesen ersten spannenden Impressionen waren wir also für eine Woche in der Obhut einer Ein-Kind-Familie der höheren Klasse. „Höhere Klasse“ bedeutet modernes Auto einer meist deutschen Marke und Wohnsitz in einer „Siedlungsburg“, die durch Mauern und Wachposten vor unerwünschten Besuchern „geschützt“ ist.

Ich kann schlecht sagen, ob das von Vorteil war, dass meine chinesische Gastmutter eine Deutschlehrerin war. Zum einen vereinfachte es das Einleben und die Verständigung immens und ich konnte sehr viel mehr erfahren als manch anderer. Doch schränkte es auch die Privatsphäre ein, wenn ich beispielsweise mit der Heimat telefonierte. Doch es gibt nicht wirklich viel negatives zu berichten: Essen im 5-Sterne-Restaurant mit riesigem Büffet, Ausflüge zu Pagoden, Seen und Parks, Besuch des Uni-Campus und eine rundum sehr nette und fürsorgliche Familie.

Der Tagesablauf begann wie folgt: halb 6 aufstehen, westliches (besser: amerikanisches) Frühstück, Vater fährt uns mit dem Auto zur Schule (dabei düdelt die ganze Zeit chinesische Opernmusik aus dem Radio und es wird kräftig mitgesungen). Dort trafen sich nun wir Deutsche und wir unternahmen verschiedene Touren, während der Austauschpartner bis Spätnachmittag in der Schule war. Danach ging's wieder zu den Familien und je nach Uhrzeit wurden noch familieninterne Unternehmungen gemacht.

Ein besonderes Highlight war das Schulsportfest in dem Stadion, in welchem die deutschen Fußball-Frauen bei der WM einige Wochen zuvor das Finale gegen Brasilien gewann. Und irgendwie schien dieses Stadion Deutsche zu mögen, denn wir durften bei dem für die Chinesen bedeutendem Leichtathletik-Fest nicht nur mitwirken, sondern sahnten auch noch einige Titel in verschiedenen Disziplinen ab. Wobei die Schüler unserer Partnerschule nicht schlecht waren – im Gegenteil. Die waren teilweise speziell für verschiedene Sportarten ausgebildet worden. So war man beim 400-Meter-Lauf chancenlos gegen den mit Spikes ausgestatteten Topläufer der Schule. Doch war es irgendwie eine Genugtuung, wenn man danach den Sieger von zwei Betreuern gestützt in die Kabine humpeln sah – man selbst trotz übersäuerter Muskeln aber noch auf den Beinen stehen konnte.

Alles in allem war die erste Woche schon eine Reise wert gewesen. Allerdings machte uns eine Sache durchgehend in dieser riesigen Stadt schwer zu schaffen: der Smog. Man spürte die verseuchte Luft in den Lungen beim Sporteln und auch sonst bekam man wenig mit von Sonne und Himmel.

Der zweite Teil unserer Reise war im Stile einer klassischen Touri-Tour.

Übernachtet wurde in feinen Hotels. Nachts konnte man das Großstadt-Nightlife-Feeling wahrhaftig erleben. Es blinkten und strahlten nur noch die hohen und protzigen Bauten – von dreckigen Slums keine Spur. Sie lagen im Schatten der industrialisierten Welt.

Jedes Hotel hatte seine eigene Karaoke-Bar (KTV). Allerdings waren diese wirklich sehr eigen. Denn wenn man mit dem Aufzug auf der Etage „KTV“ ausstieg, begrüßten einen junge, freizügig gekleidete Frauen – ein „Karaoke-Zimmer“  kostete umgerechnet 400 Euro. Also musste da ein Missverständnis vorliegen oder KTV bedeutete einfach etwas anderes...

Wir durchreisten noch Peking, betraten die Verbotene Kaiserstadt, fuhren den riesigen Jin-Mao-Tower hinauf, schauten uns zahlreiche Tempelgärten an und kauften uns in der Seidenstadt Taiji-Anzüge.

Letzter Höhepunkt war die Große Mauer, die man angeblich aus dem Weltall erkennen soll. Auch wenn wir nur einen kleinen Teil der Mauer besichtigten, war es doch sehr faszinierend, mal selbst auf dieser weltberühmten Mauer zu sein. Ein paar von uns gaben sich noch den Spaß und joggten den Mauerlauf entlang – wie früher es vielleicht die Wachen gemacht haben. Die mussten auf jeden Fall durch trainiert sein!

Vom Stäbchen-Essen und anderen exotischen Kleinigkeiten bzw. Köstlichkeiten sehe ich jetzt mal ab, denn die muss man einfach selbst geschmeckt, gerochen oder gesehen haben.

Zum Schluss wurden auf dem Schwarzmarkt noch „originale“ Made-in-China-Produkte gekauft, wo die letzten Yuans (chin. Währung) drauf gingen.

Letztlich waren wir sehr froh, die Heimreise wieder antreten zu können. Denn die Großstadt-Chinesen sind nicht gerade das sympathischste Volk. Aufdringlich und egoistisch begegnete einem diese Menschenmasse auf der Straße.

Aber kaum zu Hause angekommen, wollte man schon wieder in den nächsten Flieger und zurück. Irgendwie hat dieses Land doch dieses gewisse Etwas. Unendlich geheimnisvoll schlummert es im Herzen Asiens...

[Fotos folgen]

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