Zarte Poesie erfüllt die Erzählungen aus dem alten und neuen China, die Johanna Herzfelde in dem vorliegenden Band zusammengestellt hat. Die Reihe "Künstlergeschihten", bisher nur europäischer Literatur gewidmet, erfährt durch diese Auswahl eine wertvolle Erweiterung und Bereicherung.
In ausdrucksvoller Sprache von lyrischer Kraft gestalten die vier Erzählungen Konflikte, die das Verhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft während verschiedener Epochen der historischen Entwicklung Chinas hervorgebracht hat.
Die Legende um Li Tai-pai erzählt vom Leben des berühmten Dichters der Tang-Zeit, der nicht nach Ämtern und Würden am kaiserichen Hof trachtete, sondern als fröhlicher Dichter und Zecher, die Liebe und den Wein besingend, durch die Lande zog.
Wang Mjän, ein künstlerisch begabter armer Bauernjunge, steht im Mittelpunkt der zweiten Erzählung. Auch er ist nicht bereit, in die kaiserlichen Dienste zu treten und Beamter zu werden. Er flieht in die Einsamkeit des Huidjibegirges.
Die Erzählung "Das neue Leben" spielt zur Zeit der japanischen Aggression und schildert das Schicksal eines Intellektuelen, der sich nicht von seiner Vergangenheit zu lösen vermag. Er steht dem dem "neuen Leben" verständnislos gegenüber und scheitert am ihm.
Das autobiographische Bekenntnis des heute lebenden Dichters Dsung-Bai-hwa "Meine Begegnung mit der Poesie" beschließt den Band.
Jahrhunderte liegen zwischen den Zeiten, von denen die Erzählungen berichten, doch strahlen sie alle einen unvergänglichen Zauber aus, der sie lebendig ung gegenwärtig macht. Sie offenbaren die fremde Schönheit einer frenen Welt, in der auch das Thema des Künstlers eine für uns neue, eigene Gestalt gewinnt.
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